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Die Situation, die wir zurzeit beobachten, ist bemerkenswert und zumindest in der jüngeren Geschichte ein bislang einmaliger Vorgang.
Während die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) noch zum Jahreswechsel öffentlich mögliche Exit-Strategien aus ihrer beispiellosen geldpolitischen Lockerung diskutierte, vollzieht sie in Sorge vor einem möglichen "Double Dip" (erneuter Rückfall in die Rezession) jetzt eine Kehrtwende. Die geldpolitische Lockerung soll zumindest bis auf weiteres beibehalten, wenn nicht sogar intensiviert werden. Nicht wenige Marktteilnehmer halten es für möglich, dass die Fed ihr ohnehin schon gigantisches Bilanzvolumen durch den zusätzlichen Kauf von US-Staatstiteln und US-Hypothekenpapieren weiter ausweiten könnte. Im Grunde handelt es sich hierbei um das "Drucken von Geld" und damit nach klassischer Lehrbuchmeinung um einen Wegbereiter für Inflation. Nur diese sehen wir nicht, zumindest bislang. Man hat fast den Eindruck, als würde man in den USA versuchen, gegen tiefe strukturelle Probleme mit altbewährten aber längst gescheiterten Instrumenten anzubekämpfen.
Diese Kehrtwende der Fed schränkt den Handlungsspielraum der EZB weiter ein. Warum? Die EZB hat zunächst das Problem, dass sich die Volkswirtschaften innerhalb der Eurozone äußerst unterschiedlich entwickeln, sie mit ihrer Geldpolitik aber praktisch nicht auf diese Unterschiede reagieren kann. Die EZB orientiert sich daher an den schwächeren Euro-Mitgliedsstaaten und belässt ihren wichtigsten Leitzins auf historisch niedrigen 1,0%, auch wenn beispielsweise für Deutschland, die Niederlande und einige nördliche EU-Staaten eine geldpolitische Straffung geboten wäre. Zusätzlicher Druck kommt nun durch die ultralockere Politik der Fed. Würde die EZB an der Zinsschraube drehen, würde sie damit auch den Euro aufwerten und die Wachstumschancen der sich gerade erholenden exportlastigen Branchen einengen.
In summa ist also davon auszugehen, dass die Politik sowohl der Fed als auch der EZB bis weit in 2011 hinein die Umlaufrenditen am Boden halten wird.
Für Baufinanzierende hierzulande bedeutet dies weiterhin exzellente Rahmenbedingungen. Wir befinden uns auf einem in der Nachkriegszeit praktisch noch nie dagewesenem Niveau, gleichzeitig scheint sich Deutschland schneller aus der Krise befreien zu können als andere EU-Mitglieder. Im Grunde profitieren wir hierzulande von dieser globalen Verschachtelung der geldpolitischen Strategien.
Einziger Wermutstropfen könnte sein, dass die deutschen Immobilienpreise nach langer Stagnation anziehen. In den guten Lagen der Ballungsräume ist dies bereits zu beobachten. Dies ist letztlich darauf zurückzuführen, dass die Finanzierungskosten inzwischen vielerorts auf oder unter dem Niveau der Mietrenditen angekommen sind. Das heißt, vielerorts ist zum Beispiel der Wechsel von der Miete ins Eigentum aufkommensneutral zu möglich, überdies dürfte die Immobilie als Kapitalanlage vor einer Renaissance stehen.
Wir empfehlen daher Baufinanzierenden weiterhin, das derzeitige hochattraktive Zinsniveau bevorzugt langfristig zu nutzen. Denn auf längere Sicht wird ja fast muss sich diese beinahe paradoxe Situation auflösen unseres Erachtens in Richtung Inflation. Freilich gibt es auch immer wieder Marktakteure, die vor einer Deflation warnen, unseres Erachtens ist dies nicht wirklich wahrscheinlich.
Zur Handlungsempfehlung…
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*) Beim Durchschnittswert handelt es sich um den aktuellen allgemeinen Durchschnittswert (effektiv) für Annuitätendarlehen. Vergleichen Sie hierzu bitte unsere wochenaktuelle Gesamtübersicht.
"Die letzten 9 Monate" zeigen die Entwicklung dieses Durchschnittswerts (10 Jahre eff.) über die letzten 9 Monate hinweg. Vergleichen Sie hierzu bitte unsere Statistiken.
Die Werte in Klammern zeigen die Veränderung zur Vorwoche bzw. die Einschätzungen aus der Vorwoche. |
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